Kracher, Knaller, Kirchenfürst und Geisterstunde!

Warum wir mit viel Lärm und Licht Silvester feiern.

Vor langer, langer Zeit am 31. Dezember...

Finster ist die Nacht. Ein wilder eisiger Wind zerreißt die Wolken und jagt sie als Nebelfetzen über das Land. Er rüttelt an den Hütten, heult durch die Fensterläden und Türen, verschafft sich Einlass in die Ställe und schreckt die Tiere. Schnee und Eiskristalle fliegen wie spitze Nadeln um die Dächer und zielen noch auf die kleinsten Ritzen, um in die Stuben zu gelangen. Die Menschen sitzen eng beieinander am Feuer und fürchten sich...

Draußen toben die finsteren Mächte des Winters. Die Geister kommen, die Trolle und Hexen, flüstern sie. Der wilde Wotan reitet auf dem rotäugigen Schimmel durch die Dunkelheit und treibt sein Unwesen!

Schneelandschaft

„Wie können wir uns nur vor diesem Dunkel retten!“, jammern die Kinder. Da steht einer auf und ruft: „Lasst uns Feuer machen! Und Lärm und Rauch! Läutet die Glocken, holt Heugabeln und Peitschen! Wir wollen den frostigen Geistern dieser finsteren Zeit ordentlich einheizen!“ Und sie ziehen los über die mit Schnee bedeckten Felder und machen soviel Krach, wie nur möglich. Sie knallen mit ihren Peitschen, erleuchten die Nacht mit Fackeln, und aus großen Töpfen steigt beißender Qualm von brennenden Tannenzweigen und Weihrauch, um die eisigen Nächte und Mächte zu verjagen.

So begann die Tradition des Silvesterfeuerwerks. Die Menschen begegneten der kältesten, dunkelsten und unheimlichsten Jahreszeit, der Zeit zwischen dem 21. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende, und dem 6. Januar, dem Dreikönigstag, mit Licht und Lärm! Der 31. Dezember liegt nämlich mitten in den so genannten Rauhnächten, den „Räuchernächten“, in denen den Wintergeistern ordentlich eingeheizt werden musste!

Aber warum heißt der 31. Dezember denn „Silvester“?

Den Namen „Silvester“ hat dieser Tag einem Heiligen zu verdanken, dem Kirchenfürst Silvester, der am 31. Dezember des Jahres 335 gestorben ist. Wenn in der katholischen Kirche jemand heilig gesprochen wird, so bleibt sein Todestag als Gedenktag im Gedächtnis und wird gefeiert.

Warum wurde Silvester heilig gesprochen?
Er heilte den römischen Kaiser Konstantin von einer gefährlichen Krankheit, erzählt die Legende, und darüber war Konstantin so froh, dass er Silvester bat, nach Rom zu kommen, ihm sogar entgegen ritt und ihm sein kaiserliches Pferd anbot, um ihn an den Zügeln in die Stadt hineinzuführen.

Das war eine außergewöhnlich hohe Ehre!
In der „Silvesterkapelle“ in Rom gibt es ein Gemälde an der Wand (ein „Fresko“), auf dem diese Szene abgebildet ist. Konstantin führt Silvester auf einem weißen Pferd in die Stadt Rom. Das Bild  wurde im 13. Jahrhundert gemalt und wer es sich einmal anschauen will, der kann auf diesen Link klicken: „Konstantin und Silvester“.

Und das war noch nicht alles: Konstantin erlaubte Silvester tatsächlich, christlicher Oberhirte (also Papst) in Rom zu sein, was viel Macht und Einfluss für die Christen bedeutete. Das heißt, die Römer erkannten damit die christliche Religion an – und auch das war außergewöhnlich, denn die alten Römer glaubten ja bekanntlich an viele Götter! Aber mit Kaiser Konstantin und Silvester hatten Zeus und seine Götter ausgedient. Fortan wurde das Christentum zur einflussreichsten Religion auf dem Gebiet des ehemaligen römischen Reiches.

Kein Wunder also, dass die Christen seither den 31. Dezember, den Gedenktag für Papst Silvester, ausgelassen feiern!

Feuerwerkkirche

Grund zum Feiern in alten Traditionen gibt es also genug!
Für uns heute steht die Vorfreude auf ein neues Jahr im Vordergrund. Silvesterpartys überall! Leuchtraketen fliegen in die Luft und auf den Straßen knallt und kracht es in alter Weise, und zwar ohrenbetäubend!!!

Ohren betäubend?
Wollen wir denn noch immer Geister verscheuchen, indem wir so tun, als wollten wir sie erschießen oder so taub machen, dass sie heulend vor Ohrenschmerzen dahinzischen und nie wieder zu uns finden?

Es gibt keine Geister und Geisterohren, die man so betäuben könnte! Aber unsere menschlichen Ohren, die werden von den Knallern, Krachern und Raketen gequält und manchmal sogar taub gedonnert.
Ja, wollen wir uns denn heutzutage selbst quälen und verjagen?

Natürlich nicht!
Sicher habt ihr euch auch schon mal vorsichtshalber in einiger Entfernung die Ohren zugehalten, wenn Vater oder Mutter die Rakete oder den Böller gezündet haben. Gut so! Sehr schlau!

Silvesterfamilie

Knaller und Kracher machen nur Spaß – wenn sie WEIT WEG VOM OHR explodieren!
Unsere empfindlichen Ohren lieben diesen plötzlichen Lärm überhaupt nicht. Für sie sind laute Explosionen sogar absolut gefährlich. Ist die Explosion zu nah am Ohr, zerplatzt nicht nur der Kracher, sondern auch das Trommelfell. Die feinen Härchen (Zilien) im Innenohr, die für unser Hören zuständig sind, knicken um und können sich aus eigener Kraft nicht wieder aufrichten. Als ob ein jäher böser Hagelsturm – ein wutentbrannter Wotan! - über Kornfeldern niedergeht und alle Halme bricht, so wirkt ein Knall am Ohr!

Wie die geknickten Halme, so bleiben auch die zarten Zilien liegen und verkleben miteinander. Und wenn das passiert, dann sterben auch die darunter liegenden Hörzellen für immer ab.
Der Knall ist heute also der Geist, gegen den wir uns zur Wehr setzen müssen!

Jedes Jahr kurz nach Silvester gehen Tausende von Menschen zum Arzt, weil sie nach der großen Knallerei ein taubes Gefühl oder ein dauerhaftes Fiepen (Tinnitus) in den Ohren haben. Oft kann der Arzt nicht mehr helfen. Schon ein einziger Knall, ein einziger Kracher, der uns  unglücklich vor die Füße fliegt, kann bewirken, dass man nie wieder so gut hört wie zuvor. Der Schreck eines plötzlich nahen Knalls bleibt also für immer im Ohr, denn unsere Hände sind nicht schnell genug, um die Ohren zu schützen. Bunte Ohrstöpsel können die moderne Rettung vor geisterhaften Krachmachern sein!
Gefahr erkannt! Gefahr gebannt!

Kracher

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